Presse


Augsburger Allgemeine

Dr. Hydy ist wunderbar verrückt

Ein Theaterspaß um den legendären Jack the Ripper
Von Alexandra Lutzenberger

Ein Gruseldinner in fünf Akten? Zuerst war ich ja skeptisch, denn gruselige Dinner hat man im Laufe des Lebens meist mehrere erlebt, allerdings waren sie wenig erheiternd. Doch beim Gruseldinner „Jack the Ripper“ soll ja nicht das Essen gruselig sein, sondern das Theaterstück rund um den bekannten Serienmörder. Gespielt wird im Saal des Gasthof Drexl in Schondorf – und der ganze Saal wird einschließlich des Publikums zu Theaterbühne und Statisten, denn einige der Zuschauer müssen mitspielen und haben wie der junge Mann, der den Part des Gerichtsdieners Charles Brown übernimm, sichtlich Spaß dabei. Man befindet sich im Gerichtssaal von Richter Theodore Appetither Moonthmouth (gespielt von Fred Lobin), dessen wertvollste Beiträge zur Aufklärung des Falls, die Essenspausen waren. Lobin ist auch noch als Magier Houdinus unterwegs. Inspektor Abberline (Alexander Baab) will den Fall zwar aufklären, und gerät aber schnell selbst in Mordverdacht, denn die geheimnisvolle Alexandrina Kent (Laura J.C. Schmidt) bezichtigt ihn des Mordes und will das in einer lückenlosen Beweiskette dem Publikum und dem Richter vorlegen. Dabei führt sie das Publikum durch die Show des Magiers, ins Irrenhaus des Dr. Hydy und zu den Leichendieben auf dem Friedhof, immer verfolgt statt auf der Spur von Jack the Ripper. Eine rasante Handlung, witzige Dialoge und eine sehr wandelbare Schauspielerin namens Merle Lisek, die in mehreren Rollen ihr Talent beweist, machen diesen Abend zu einem riesigen Spaß. Hier ist Lachen statt Gruseln angesagt. Lisek lispelt als Showgirl Wanda Wonderful ganz entzückend, ist witzig-schräg als Dr. Hydy, und als Leichendiebin Annie oder Molly Mordered spielt sie gerne mit dem Publikum. Doch ihr ganzer Einsatz (und der ist wirklich sehenswert!) ist umsonst, am Ende ist sie immer wieder die Leiche.

Für den Service im Saal (fast 100 Gäste) sorgt das Team vom Gasthof Drexl  und servierte ein laut Karte gar schauriges Vier-Gänge-Menü, das den Abend noch ein wenig angenehmer macht.

Eine Karotten-Ingwer-Suppe nach Londoner Art, ein Salat mit grausam geräucherten Forellenfilets und Involtinis von der gemeuchelten Schweinelende mit blutjungem Gemüse. Wer danach noch nicht satt ist, kann noch Mary Janes Bayerische Creme genießen – denn der Fall ist gelöst und Richter Moonthmouth kann gut gesättigt nach Hause gehen.

Vielseitig talentiert: Merle Lisek, hier in der Rolle von Dr.Hydy, kümmert sich um Inspektor Abberline (Alexander Baab).
Foto: Julian Leitenstorfer HNA/Hofgeismarer Allgemeine


Grusel-Dinner im Gasthaus Reitz: Ein Schmaus mit Graus

Schöneberg. Eine Vielzahl an Elexieren und Wässerchen, dazwischen ein Gehirn: Willkommen in Dr. Frankensteins Labor des Schreckens – im Gasthaus Reitz in Schöneberg.

Das hatte sich am Samstagabend zum Horrorlabor verwandelt, wo nicht nur schrecklich leckeres Essen die Gäste erwartete, sondern auch das Gruseln nicht zu kurz kam.

Zwischen den Speisen des Vier-Gänge-Menüs wurde das Publikum in die Welt von Frankensteins Braut entführt. Neben Spannend-Schrecklichem gab es auch komödiantische Einlagen im Fünf-Akter, der von vier Darstellern des Grusel-Dinner-Ensembles aus Wiesbaden präsentiert wurde. Die hatten sich allerdings vor Spielbeginn Unterstützung im Publikum gesucht, so dass auch einige der Gäste mit zum Gelingen beitrugen. Dazu gehörte auch Dirk Heckmann aus Calden, der als Pater Braun am Ende des Stücks, eine Vermählung vornehmen sollte. Sowieso war keiner der Gäste sicher vor den Akteuren, die den gesamten Raum als Bühne nutzten.

Da konnte man schon mal einen Stupser in den Bauch bekommen mit der Ansage: Wenn das Essen nicht gleich auf den Tisch kommt, beißt die mir hier noch in die Tischkante. Dran glauben mussten auch einige Dinner-Besucher, als sich die Braut „lebendes Material“ für die Fortführung der Experimente ihres Erschaffers unter den Gästen aussuchte: „Zeigen Sie mir mal Ihre Nase im Profil“ oder „Geben Sie mal Ihre Hand her“ waren nur einige der Aufforderungen.
Niemand im Rotlicht durchtränkten Saal war an diesem Abend sicher – gerade diese starke Einbindung gab dem Stück seinen besonderen Reiz. Verstärkt wurde dieser Effekt noch durch die immer wiederkehrende Ansage: „Die Türen sind verschlossen, niemand kommt mehr hinaus und hinein.“

Passend wurden auch die kulinarischen Köstlichkeiten von den Darstellern eingeleitet. So hieß es etwa, dass „der Salat extra von frischen Gräbern am Rande der Stadt geerntet sei“ oder der merkwürdige Beigeschmack des Giftpilzsüppchens daher rühre, dass Berta es mit Knochenmehl abgeschmeckt hätte.

Die gekonnte Mischung aus amüsanten und gruseligen Elementen, Darstellern mit viel Spielfreude, einer unterhaltsamen Geschichte und gutem Essen ließen die dreistündige Veranstaltung wie im Flug vergehen. „Mir hat es sehr gut gefallen und ich bin am überlegen, ob ich auch das nächste Grusel-Dinner hier wieder besuche“, erklärte Dieter Homburg aus Calden. Ende März kommenden Jahres wird das Ensemble nämlich mit Graf Dracula zu Gast in Schöneberg sein. (zta)

Dramatik: Mit fünf Akten unterhielten die vier Darsteller des Grusel-Dinner-Ensembles die Gäste. Bis auf Frankensteins Braut (Isabel Jasse) schlüpften alle in mehrere Rollen. Nachdem sich gegen Ende Braut und Bräutigam (Michael Dreesen) schließlich das Ja-Wort gegeben haben, geht es noch mal richtig zur Sache (Foto). Fotos: Temme


NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN

„Es ist zu spät: Sie sitzen in einer Falle“

Von Eva Böhm
Premiere: Gruseldinner auf Burg Rabenstein – Gelungene Mischung aus Komödie und Essen – 07.01.2013

BURG RABENSTEIN. EPremiere auf der Restaurantbühne: „Frankensteins Braut“ – ein Gruseldinner in fünf Akten begeisterte die Gäste. Der furchteinflößende, gänsehauterzeugende Spruch: „Die Türen sind verschlossen, niemand kommt mehr hinaus oder hinein“ kennzeichnete den Abend, wurde zum Markenzeichen. „Es ist zu spät. Sie sitzen in einer schrecklichen Falle – Oh je!

Augenblicke großer Dramatik schlugen flugs in krasse Situationskomik um. Die Stunden verflogen nur so; unterhaltend und amüsant wurde die „schaurigste Hochzeit aller Zeiten“ mit Spannung und Humor inszeniert.
Frankensteins Braut legte, schwarzgekleidet und gruselig geschminkt einen unheimlich spannenden Auftritt hin. War es ein Fest der Herzen? Oder ein Fest des Schreckens? Das Elixier FB98 spielte eine besondere anregende Rolle. Eine Anweisung der Köchin Berta an die mitspielende Laiendarstellerin Küchenhilfe Luise lautete: „Wenn´sd a Brüh ansetzen tust, nimm was aus der Speisekammer, nicht aus der Leichenkammer!“
Mitwirkende aus dem Publikum waren auch „Pater Braun“, „Inspektor Maigret“ und „Frau Lavenza“, die ihre Ansagen im schönsten fränkischen Dialekt präsentierte und immer einen Sonderapplaus erhielt.

Tolle Lichteffekte

Tolle Lichteffekte tauchten den Saal, passend zur Szene, in das rote, grüne, gelbe oder blaue Licht, begleitet vom gespenstischen Timbre der Töne. Nebelschwaden waberten durch den Saal.

Jeder kennt wohl die Geschichte des Wissenschaftlers Dr. Frankenstein, der aus Leichenteilen einen künstlichen Menschen erschafft. Doch was ist danach passiert?
Einige Jahre sind vergangen, nachdem Dr. Frankenstein mit seinem Experiment gescheitert ist. Doch nun gibt es wieder eine Einladung in die alte Mühle, wo sich sein Labor befindet. Der Baron lädt zur Hochzeit ein – mit einer Braut, die niemand kennt und die noch nie jemand gesehen hat.
Strahlend leuchtende, silberne Kerzenlüster, feine Gläser und schwarze Rosen bildeten die feine Tischdekoration.
Die Getränkeempfehlung des Hauses passte hervorragend zu den gereichten Speisen: Schaurige Kerbelcremesuppe mit Zwetschgenbaames kitzelte den Magen, gebratenes Filet vom Zander mit Champagnersauce folgte.

Theater und Essen

Rosa gebratener Rücken vom willenlosen Kalb auf Pfannengemüse war der Hauptgang, dieser wurde von einer königlichen Vanillecreme mit Fruchtragout gekrönt.
Die Küchenmonster der Burgküche leisteten ganze Arbeit; das gesamte viergängige Menü verwöhnte den Gaumen. Famos war der Service, die feinen Gerichte wurden flink und freundlich serviert.
Die Gruseldinner sind eine gelungene Mischung aus Theaterkomödie und Essen, das gefällt den Gästen und wird gut angenommen, so urteilen die Veranstalter auf Burg Rabenstein.
Auch für schwache Nerven sind die Gruseldinner aufgrund des komödiantischen Charakters bestens geeignet, lautet die beruhigende Auskunft.

„Dieser Weg hat sich gelohnt“ urteilten zwei Paare, die von Oldenburg und Bremen extra für diese Premieren-Vorstellung angereist waren.
Sie besichtigten Bayreuth, waren vom Felsenstädtchen Pottenstein und dessen Burg bezaubert. Sie bedauerten, dass Dreikönigsfest nicht mitfeiern zu können, der mehr als 600 Kilometer lange Heimweg musste gemeistert werden, um am Montag wieder am Arbeitsplatz antreten zu können.

leo.

Zum Gruseldinner in fünf Akten bot Burg Rabenstein die passende Kulisse.


Wenn der Tod mit am Tisch sitzt

Von Florian Ballin
Premiere in der VillaMedia. Die ganz spezielle Hochzeit mit Frankensteins Braut.

Wuppertal. Ein Dinner mit lebenden Toten, einem unheimlichen Butler und tödlichem Thymian – in der Villa Media feierte am Sonntagabend ein neues Gruseldinner nach einem Buch von Michael Schauer Premiere.

„Frankensteins Braut“ selbst hat zu ihrer Hochzeit geladen, doch ihr Zukünftiger ist mehr oder weniger tot. Dr. Frankensteins Körper ist dahingeschieden – sein Gehirn steht aber unter einer Glocke im Labor und kann immer noch mit den Hausbewohnern sprechen.

Ein neuer Körper – aus den Gästen der Villa

So weit die Vorgeschichte: Mit den Hochzeitsgästen hatte die äußerst gruselig aussehende Braut (Nina Gerber) nun Spezielles vor. Sie wollte die Experimente ihres Erschaffers weiterführen und sich aus dem Publikum in der Villa Media einen neuen Körper basteln: „Ich werde nun mit lebendem Material arbeiten.“, sagte sie und suchte sich gleich ein paar blaue Augen aus. Da war schon ungewöhnlich: Dem Publikum wurde das beklemmende Gefühl vermittelt, eingesperrt zu sein. Denn wie Butler Hansi (Michael Dreesen) immer wieder zu sagen pflegte: „Die Türen sind geschlossen. Niemand kommt mehr hinaus oder herein.“ Trotzdem öffneten sich die Türen und skurrile Gäste traten ein. Darunter auch Jonas Waldmann (Alexander Baab), der die so wichtige Formel für das Elixier FB98 im Kopf hat, ohne das den Körperteilen kein Leben eingehaucht werden kann.

Die Gäste wurden in der Villa durch eine spannende Geschichte geführt, von der sie selbst immer wieder Teil waren. Vier Personen aus dem Publikum waren beispielsweise Sprecher oder Küchenhilfe. Mit sonst wenigen Requisiten – außer einem Tisch mit besagtem Gehirn und verschiedenen Fläschchen – schafften es die Schauspieler zusammen mit bedrohlichen Geräuschen und Lichtwechseln dennoch, eine mitreißende Atmosphäre aufzubauen.

Kulinarische Unterbrechung: Das willenlose Schweinefilet

Doch wird die immer wieder kulinarisch unterbrochen von Berta (Lavinia Heilig), der Köchin, um den nächsten der insgesamt vier Gänge aufzutischen. Darunter eine Zucchini-Rahmsuppe mit tödlichem Thymian oder auch Tranchen vom willenlosen Schweinefilet.

Am Ende des Stücks, inszeniert von Simone Wagner und Stefanie Otten, unternimmt Waldmann den Versuch, die Gäste und sich selbst zu retten. Intrigen werden geschmiedet, Schüsse fallen und grausiges Lachen erfüllt den Raum – ein Dinner mit der gewissen Prise Angst geht dem Ende entgegen.

Gruselig und köstlich: Das Gruseldinner in der VillaMedia zog die Gäste in seinen Bann – und unterbrach die Spannung ab und an mit einer kulinarischen überraschung. Andreas Fischer Freie Presse


Abendfüllendes Gruseldinner im Wernesgrüner Saustall

Dr. Frankenstein serviert das Mahl
Noch keine fünf Minuten ist das „Giftsüppchen“ in den Mögen ihrer Augenzeugen angekommen, da stehen Dr. Frankenstein und sein Gehilfe Eiger am Ende des bahnbrechenden Experiments: Ein künstlicher Mensch entsteht. Hirneinpflanzung, Lebenselixier-Injektion, Elektroschock und – nichts. Erst ein Reflextest bringt den gewünschten Erfolg. Die grüne Kreatur wird putzmunter. Dann fällt der Vorhang. Zeit für 101 applaudierende Gäste, sich auf den nächsten Gang vorzubereiten: „Filet vom dreimal wiederbelebten Schwein“, wie die Speisekarte anzeigt.

Menü und Theater aufgetischt
Fast vier Stunden halten die Gruseldinner-Mimen von „Mitternachtstraum“ das Publikum mit ihrem schaurig-humorigen Programm „Die Experimente des Dr. Frankenstein“ im notdürftig ausgeleuchteten Gutshof-Saustall bei ausgesprochen guter Laune. Fünf Theaterakten sind vier Menü-Gänge mit Furcht einflössenden Namen zwischengeschaltet. Doppelt nervenstarke Gäste eigenen sich für Statistenrollen. Denn wie üblich beim Gruseldinner, sind die Zuschauer nicht nur nah dran, sondern mitten drin im Geschehen. Dort geht es drunter und drüber: Im Eifer des Gefechts vertauscht Eiger das Gehirn, Frankensteins herrische Verlobte erscheint unerwartet auf der Bildfläche und brennt zu guter Letzt mit dem grünen Hünen durch.
Astrid und Holger König aus Ronneburg bereuten keinen Meter ihrer weiten Anreise. „Es hat sich absolut gelohnt“, freut sie sich über ihr Geburtstagsgeschenk. „Meine Chefin hat beide Karten spendiert.“ Während eines berufsbedingten Aufenthalts im Vogtland war Astrid König auf die Veranstaltung aufmerksam geworden. „Ich habe hier Ersatzteile ausgeliefert und Plakate gesehen.“ Auch Angela und Horst Kropf aus Kirchberg gruseln sich manchmal gerne beim Schlemmen: „Wir haben so was ähnliches schon mal im Freundeskreis ausprobiert und waren jetzt neugierig, wie das im grossen Stil aussieht.“
In der Küche der Brauereigaststätte fanden die Schauspieler zum wiederholten Mal willige Helfer. Die Menü-Inhalte werden passend zum jeweiligen Programm zusammengestellt. Auch mit „Jack the Ripper“ und „Dracula“ können Schauspieler dienen. „Dracula ist unser blutigstes Stück“, verriet Birte Sieling. „Frankenstein“ das lustigste.“

Dracula kommt im Herbst
Bevor eine noch in Arbeit befindliche und für Herbst angekündigte Frankenstein-Fortsetzung im Saustall zu sehen ist, wird an gleicher Stelle Kunstblut fließen: Am 27. Oktober soll das Stück Dracula serviert werden. Gutshofmanager Thomas Schopf rechnet wieder damit, um die 100 Karten an den Mann und die Frau zu bringen. „Der Zuspruch ist immer richtig gut. Bis jetzt war jede Veranstaltung ausverkauft“, freut er sich.

erschienen am 01.04.2012 (Von Sylvia Dienel)

Familie Vützsch lässt sich das Abendessen von abgehauenen Gliedmaßen nicht verderben, schließlich wurde ein Gruseldinner gebucht. Nordbayerischer Kurier – Donnerstag, 17. November 2011


Ein Festmahl für Graf Dracula

Künstlerblut und schauspielerisches Können.
Beim Gruseldinner steht Gänsehaut auf dem Speiseplan. Von Ines Kerner
AHORNTAL. Bissige Unterhaltung und verrückte Gestalten gab es beim Gruseldinner auf Burg Rabenstein. Dracula hatte sein Kommen angesagt und 100 Gäste waren seiner Ladung gefolgt. Doch plötzlich waren die Zuschauer nicht mehr bloße Beobachter. Alle spielen plötzlich die Rolle von Theaterzuschauern im alten Murnau-Theater. Die Aufführung des Stücks „Dracula“ stand auf dem Spielplan. Gefährt von Draculas Gehilfen Renfield, der -gelinde gesagt- nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte, standen Reisen zum Vampirgrafen auf sein Schloss an, ein Trip nach London und in das verrufene Nachtlokal „Rote Höhle“.

In roten Strapsen
Zusammen mit Jonathan Harker bangte man um die schöne, aber nicht ganz unschuldige Mina. Denn auf sie hat Dracula ein Auge geworfen. Doch nicht nur er: Auch die Zuschauer bestaunten die in roten Strapsen posierende, wirklich hübsche Schauspielerin. Zwischen den Akten gab es schaurig klingende, aber leckere Menükreationen: Kokosmilch-Suppe mit Gras vom Grab, untoter Lachs im Blätterteig mit Blattspinat aus dem Gruftgarten und Rücken vom ausgesaugten Schwein in Portweinsoße. Demnächst besuchen Dr. Frankenstein und Jack the Ripper das Ahorntal.

Sexy, verrückt, untot: Bei „Dracula“ gibt es für jeden Geschmack die richtige Figur. Aber vorsicht: bissig!
Foto: Kenrer thüringer allgemeine


Gruseldinner in der „Goldenen Henne“ in Arnstadt

„Sie wären die ersten Gäste, welche die Vorspeise überleben.“ Mit diesen Mut machenden Worten starteten knapp 40 Gäste am Sonnabend ihr Vier-Gänge-Menü in der „Goldenen Henne“.

Arnstadt. Stören ließ sich von dieser Warnung niemand. Denn in dem Gasthaus wurde wieder zum Gruseldinner eingeladen. Nachdem die Theatergruppe aus Frankfurt im letzten Jahr schon „Jack the Ripper“ aufgeführt hatte, offerierte sie am Sonnabend „Die Experimente des Dr. Frankenstein“. Dabei zeigten nicht nur die Schauspieler vollen Einsatz, als Dr. Frankenstein versuchte, künstliches Leben zu erzeugen. Auch die Gäste wurden in das Geschehen mit eingebunden, fungierten als Bürgermeister, Polizisten, Klatschreporterin oder als Geliebte des Doktors.

Langweilig wurde den Gästen jedenfalls nicht. Denn keiner konnte sicher sein, sich nicht plötzlich auf der Bühne wiederzufinden. Zwischendurch unterbrachen die Schauspieler ihre Aufführung – für den nächsten Gang des Dinners.

Nach vier Gängen, während denen sich Dr. Frankenstein mit seiner hysterischen Verlobten, unzuverlässigen Angestellten und missglückten Experimenten herumärgern musste, gipfelte der unterhaltsame Abend in einer wilden Verfolgungsjagd quer durch den Saal. Noch in diesem Jahr will die Gruppe vom „Gruseldinner“ wieder nach Arnstadt kommen. Dann können sich die Gäste auf „Dracula“ freuen.

Beim Gruseldinner „Dr. Frankenstein und seine Experimente“ im Gasthaus „Zur Goldenen Henne“ spielte das Publikum mit.
Foto: Marco Schmidt NORDBAYERISCHE Nachrichten


Graus zum Gaumenschmaus

Frankensteins Monster lädt zum Vier-Gänge-Menü auf Burg Rabenstein
VON VERENA POHL

Wie kam Viktor von Frankenstein eigentlich an sein Monster? Und ist Frankensteins Braut wirklich so schrecklich wie ihr Ruf? Die literarisch nicht ganz korrekten, aber dafür umso amüsanteren Antworten lieferte das erste „Gruseldinner“ auf Burg Rabenstein.
AHORNTAL In Viktor von Frankensteins Labor läuft einfach nichts nach Plan. Eigentlich steht der Wissenschaftler kurz vor der Vollendung seines bahnbrechenden Projekts: Der Erschaffung eines künstlichen Menschen. Diesem will Frankenstein das Hirn seines verstorbenen Mentors, Professor Ambrosius, einpflanzen. Doch Frankensteins tollpatschiger Knecht Eigor hat das Hirn verlegt und erschlägt kurzerhand einen Koch, um an ein „Ersatzteil“ zu kommen. Mit der ältlichen Haushälterin Frau Blücher gehen die Hormone durch und sie rückt Eigor liebestoll auf die Pelle. Zu allem überfluss taucht da auch noch Frankensteins Verlobte, Elisabeth Lavenza, auf und pocht nachdrücklich darauf, endlich vor den Altar geführt zu werden. In all dem Trubel erwacht dann auch noch Frankensteins Kreatur zum Leben, die nur leider nicht die erwartete Intelligenz aufweist und allen Anwesenden nach dem Leben zu trachten scheint . .

Freie Interpretation
Zugegeben: Mit der ursprünglichen Handlung des Romans „Frankenstein“ von Mary Shelley hat die Version der Gruseldinner-Schauspielgruppe nicht mehr viel zu tun. Dafür bieten die fünf Profi-Darsteller ihrem Publikum abwechslungsreiche und witzige dreieinhalb Stunden, in denen lediglich das namensgebende Gruseln etwas zu kurz kommt. In fünf Akten wird die leicht verdauliche Geschichte von Frankenstein und seinem Monster erzählt, dazwischen serviert die Küche der Burg Rabenstein ihren Gästen ein Vier-Gänge-Menü. Die können sich aber auch während der Vorstellung keineswegs nur zurücklehnen, sondern müssen damit rechnen, als Gastdarsteller ins Spiel eingebunden zu werden. So müssen etwa die beiden Dorfpolizisten Eduard Tappert und Horst Zimmermann Frankenstein bei der Jagd auf das Monster helfen. Auch Autorin Mary Shelley taucht bei dem Grusel- Klamauk auf allerdings als Frankensteins Geliebte. Das 30-köpfige Gruseldinner-Ensemble aus Wiesbaden, das in kleinen Gruppen in ganz Deutschland unterwegs ist, hat neben Frankenstein und seinen Experimenten auch den Vampirgrafen Dracula und den Serienmörder Jack the Ripper im Programm. Von den insgesamt über 25 Spielorten des Tourneetheaters ist die Burg Rabenstein der erste in der Metropolregion Nürnberg. Burgherrin Sabine Deß zeigte sich bei der Gruseldinner-Premiere ebenso begeistert wie das Publikum und hofft, dass die Kombination aus Essen und Theater auch in Zukunft gut angenommen wird.

Da ist Frankensteins Experiment, einen künstlichen Menschen zu erschaffen, wohl etwas aus dem Ruder gelaufen: Die Kreatur bedroht Frankenstein (li.) und seinen Knecht Eigor.


Gruseliges Dinner

Von Nelli Nickel

Burg Stettenfels Grünzeug aus Draculas Garten, so frisch wie der Graf selbst das Gruseldinner auf Burg Stettenfels verspricht Abenteuerliches. Zum Vier-Gänge-Menü strömen über 100 Neugierige in den Fuggersaal. Die Kombination von Essen und Theater kommt an. Grablichter leuchten den Weg. Renfield, Graf Draculas Gehilfe, bittet die Gäste zu Tisch. Die Putzkraft Frau Kowalski muss als erste dran glauben. Tot liegt sie auf dem Boden. Ist zufällig ein Arzt vor Ort? Matthias Lohn rennt vor. Zufällig ist der Gast zuvor von den Veranstaltern Mitternachtstraum aus Wiesbaden zum Arzt bestimmt worden. Viele Tote folgen in den fünf Szenen. Den Humor verlieren die Akteure dabei nicht. Auch ängstliche Gemüter kommen so gut durch den Abend. Ist das Stück doch mehr komisch als gruselig.

Die Crew der Burg Stettenfels sorgt in den Spielpausen für das leibliche Wohl. „Das Essen wird Ihnen auf den Magen schlagen.“ Das Versprechen von Renfield bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Eine Vorspeisenvariation mit Salat, geräuchertem Fisch und Schinken, eine Cremesuppe als zweiten Gang, als Hauptgang Schweinebraten mit Kartoffelgratin und zum Schluss ein Pflaumenstrudel, das Essen ist bodenständig und schmeckt dem Publikum. Das Preisleistungsverhältnis stimmt: 69 Euro kostet eine Karte. Fünf Mal gastiert das Ensemble auf der Burg. Geschichten von Dracula, Frankensteins Monster oder von Piraten sind zu sehen. Die Schauspieler sind deutschlandweit an 22 Spielorten aktiv. Die Nachfrage hat in den vergangenen Jahren angezogen, erzählt Schauspielerin Simone Wagner. Am liebsten suchen sich die Veranstalter Burgen oder Schlösser für ihre Gruseldinner. Das Ambiente muss passen, erklärt Wagner und ist mit dem Spielort in Untergruppenbach mehr als zufrieden. Zuschauerin Conny Grüne darf mehrmals auf die Bühne und freut sich hinterher umso mehr über das unvergessliche Erlebnis. 

Schaurig und komisch zugleich: Graf Dracula treibt sein Unwesen auf Burg Stettenfels. Über 100 Gäste kommen zum Gruseldinner ins Schloss.
Foto: Nelli Nickel Hotel mutiert zum Gruselkabinett


Premiere für Erlebnisgastronomie im Hohenstein-Ernstthaler „Drei Schwanen“

HOHENSTEIN-ERNSTTHAL. Das Hotel „Drei Schwanen“ ist am Sonnabend in ein außergewöhnliches Gewand geschlüpft.

Der sonst helle, freundlich wirkende Saal wurde in ein Gruselkabinett umfunktioniert. Die Schauspieler des Theaterunternehmens „Mitternachtstraum“ waren in die Räumlichkeiten des Hotels, das sich am Abend mit einer Schar Dinnergästen füllte, eingezogen.

Unter den Gästen befand sich auch das Ehepaar Rabe aus St. Egidien. Ellinore Rabe hatte zwei Eintrittskarten bei einer „Freie Presse“-Verlosung gewonnen. „Mein Mann wusste nicht, dass ich mich bei diesem Preisausschreiben beteiligt hatte“, berichtet die Gewinnerin, und freut sich, dass die Überraschung gelungen war. Weiter erklärt die St. Egidienerin, dass die Rabes bei „Freie Presse“-Preisausschreiben schon Karten für die Randfichten und für ein Swingkonzert gewonnen hatten und froh darüber sind, auf diese Weise ab und zu aus ihrem Wohnort, in dem kulturell nicht viel los sei, herauszukommen.
Gemeinsam mit den anderen Dinnergästen erlebte das Ehepaar im ausverkauften Haus einen eindrucksvollen Theaterabend. In das Programm, das aus fünf Akten bestand, fügte sich ein Vier-Gänge-Menü ein, von dem nicht nur die Zutaten außergewöhnlich waren, sondern auch die Speisenbezeichnungen. So aßen die Gäste von Dr. Frankensteins Experimentierteller, sie genossen Frau Blüchers Kresseschaumsüppchen und löffelten Elisabeths süßes Geheimnis.
Im Gruselkabinett ging es jedoch alles andere als gruselig zu. Die Dinnergäste wurden bereits am Eingang von Dr. Frankensteins in die Jahre gekommener Haushälterin, Frau Blücher (Laura J. C. Schmidt), begrüßt und zum Lachen animiert. Wiederholt säuselte die klapprige Haushälterin: „Niemand wird Sie hören, wenn Sie schreien, in der Nacht, in der Dunkelheit.“ Für eine überdurchschnittliche Strapazierung der Lachmuskeln sorgte der bucklige Eigor (Michael Schauer), der Gehilfe Dr. Frankenstein, eine Karikatur des Quasimodo. Michael Schauer schrieb das Buch für dieses Stück, für das der Hauptdarsteller, Frank Baumgart, die Regie übernommen hatte. Während Dr. Frankenstein mit Eigors Hilfe den künstlichen Menschen erschaffte, erlebten die Zuschauer spritzige und effektvolle Dialoge. In die amüsante Inszenierung wurden oft auch die Gäste einbezogen.

Keiner der Besucher war sicher vor den durchs Publikum rasenden Protagonisten. Sogar Gästerollen, wie Bürgermeister, Klatschreporter und Dorfpolizisten, wurden vergeben. Den Höhepunkt des Theaterstückes stellt die aus vielen Einzelteilen zusammen gebastelte Kreatur (Kai Werth) dar, die zum Leben erweckt wurde und nicht mehr von Dr. Frankenstein beherrschbar durch den Saal rennt.

Gesättigt in Magen und Hirn, verließen die Dinnergäste gegen Mitternacht das Gruselkabinett.
Bericht: Ilona Mayer

Doktor Frankenstein stand mit seinen Experimenten im Mittelpunkt des Dinner-Abends.